Hochzeit mit Chor

Hallo miteinander,

Am Wochenende war ich auf einer tollen Hochzeit in der Nähe von Illertissen. Ich hatte im Vorfeld mit dem Brautpaar schon sehr viel Spaß, weil sie sehr unkomplizierte und lebensfrohe Menschen sind, mit denen es eine große Freude war, in ständigem Kontakt zu sein.

Dementsprechend fiel auch die Hochzeit sehr lebensfroh und locker aus. Während der Trauung wuselten ungefähr 30 Kinder auf der Schlosswiese herum und machten den Eindruck vom „vollen Leben“ komplett.

Ganz besonders war der Frauenchor „Gospel & Joy“,  der uns während der Trauung musikalisch begleitete.  Livemusik ist immer etwas ganz Besonderes, aber einen Gospelchor durfte ich bisher nur sehr selten erleben.

http://www.gospel-joy-offingen.de/

Trotz der großen Hitze, die einigen Gästen sichtlich zu schaffen machte, waren  auch dank des wunderbaren Chors, einige Gänsehautmomente garantiert.

Das Paar war schon einge Jahre standesamtlich verheiratet und bereits mit einer kleinen Schar Kinder gesegnet. Um sie nochmal als Familie zu verbinden und das symbolisch darzustellen, knüpften alle Gäste ein (sehr, sehr) langes Band aus vielen Einzelstücken und ich wickelte die Familie damit ein. In Liebe verbunden. Als dann die Kinder noch ein paar Worte an ihre Eltern richteten, blieben auch meine Augen nicht trocken.

Hier noch ein paar Eindrücke:

 

 

 

 

 

„Auf anderer Leute Hochzeiten tanzen“

Hallo Ihr Lieben,

Heute möchte ich Euch ein bisschen darüber erzählen, welche Reaktionen und Sichtweisen ich von außen auf meinen Beruf bekomme. Das ist manchmal ganz spannend!

Wenn ich mit anderen Menschen in Kontakt komme, werde ich irgendwann zwangsläufig darauf angesprochen, was ich beruflich mache. Wenn ich von meiner, doch eher etwas außergewöhnlichen Berufung erzähle, finden meine Mitmenschen das meist interessant, fragen nach und lassen sich häufig von der Idee begeistern. Das sind die Menschen, die mir immer wieder klar machen, dass es richtig war, überhaupt anzufangen. „Das ist ganz schön mutig von dir!“ oder „Mensch das ist so toll, dass du deine Leidenschaft zum Beruf gemacht hast!“ Natürlich freue ich mich und fühle mich dadurch unterstützt und bestätigt.

Aber es geht mir nicht darum nur gebauchpinselt zu werden. Natürlich begegnen mir auch Menschen, die mit der Thematik nichts anfangen können. Das ist völlig in Ordnung und ich kann sehr gut verstehen, dass beispielweise bei manchen Menschen die religiöse Eheschließung einen hohen Stellenwert hat. Ihr höre ihre Argumente mit Interesse und kann sie auch einfach so stehen lassen, genauso wie sie in der Regel respektvoll mit mir umgehen und es manchmal sogar „gut finden, dass es diese Alternative gibt“.

Schwieriger damit umzugehen sind für mich die Menschen, die mir ins Gesicht sagen, dass sie das alles „neumodischen Mist“ finden bezeichnen und gar nicht verstehen können, dass ich das überhaupt als Arbeit empfinde, jede Woche auf einer anderen Hochzeit zu tanzen. (Ja, doch, sowas höre ich manchmal, wenn auch eher selten.) Mit diesen Mitmenschen diskutiere ich das nicht, ich stehe da drüber.

Ich liebe meinen Job und ich weiß, dass es wirklich Arbeit ist. Klar ärgert es mich für einen kurzen Moment, aber dann denke ich: „Woher soll der/die denn wissen, wieviel Arbeit dahinter steckt?“ Es ist ja nicht offensichtlich, wie viele Stunden und Tage die Vorbereitung für so eine Hochzeit braucht. Wie lange ich am Rechner sitze und recherchiere, überlege, schreibe, verwerfe, neu anfange, wie viele Stunden ich mit Trauzeugen, Freunden, Eltern schreibe, wie oft ich auch mitten in der Nacht noch Nachrichten beantworte, wie viele Stunden ich mit dem Brautpaar zusammen sitze und versuche die beste aller Hochzeiten für sie zu entwerfen… Ach das geht endlos so weiter.

Am Ende auf der Hochzeit zu stehen und zu Sprechen, ist schließlich der Lohn für Wochen an Planung, Vorfreude und um ehrlich zu sein…  den Stress.

Ich liebe was ich mache! Jede einzelne Hochzeit ist etwas ganz Besonderes! Weil jedes Paar für mich etwas Besonderes ist! Weil sie mir an Herz wachsen! Aber jede einzelne Hochzeit bedeutet auch, dass ich mich reinfühlen darf/muss, in völlig fremde Menschen. Dass ich sie an mich ran lassen muss um sie zu verstehen, dass ich ihre Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen muss und zu ihrem besten umsetzen.

Jede Hochzeit bedeutet eine unglaubliche Verantwortung! Für mich ist es wichtig, dass wir am Ende alle zufrieden und glücklich sind. Dieser Moment ist nicht wiederholbar, ich darf es also nicht versemmeln! Es muss für mein Paar so perfekt wie möglich sein!

Nicht mehr, aber auch nicht weniger ist mein Anspruch. Und das macht meine Arbeit zu so viel mehr, als „nur auf den Hochzeiten anderer Menschen zu tanzen!“

 

 

 

 

 

 

Einen Anfang finden

Da sitze ich mal wieder. Seit Stunden starre ich in die Luft. Ich krusche in Büchern, sehe zum gefühlt hundertsten Mal die Unterlagen des Paares durch, klicke mich durch Youtubevideos, höre die Hochzeitslieder, notiere mir Stichpunkte, habe unausgegorene Ideen und verwerfe sie wieder….

Was ich mache? Ich suche einen Anfang!

Der Anfang einer Rede ist besonders wichtig. Es muss etwas sein, dass den roten Faden bildet, etwas dass sich später auch wieder aufgreifen lässt. Und es muss etwas sein, dass die Gäste aufhorchen lässt. Ein Zitat, eine Aussage, die ein wenig Verwirrung stiftet. „Hä? Was hat das denn mit dem Brautpaar zu tun?“ Genau diesen Effekt möchte ich gerne erzielen. Dann ist mir die Aufmerksamkeit der Gäste erst einmal gewiss.

Einen guten Anfang zu finden ist wirklich nicht so leicht. Bei manchen Paaren habe ich sofort eine Idee. Entweder sagen sie etwas während des Vorgesprächs, dass mich sofort auf die richtige Spur bringt, oder sie haben bereits ein Thema für sich festgelegt, mit dem ich gleich loslegen kann.

Bei anderen ist das nicht so einfach. Da suche ich lang. Oft habe ich schon so ein „Bauchgefühl“, weiß in welche Richtung es gehen soll, aber eben noch nicht DIE zündende Idee.

Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Ich schaffe es immer! Manchmal braucht es einfach ein bisschen mehr Zeit um zu reifen (wie ein guter Sauerteig 😉 )

Oft hilft es, einfach mal was ganz was anderes zu machen. In der Stadt durch Läden kruscheln, Sport machen, ein Brot backen. Ich bin selbstständig das bedeutet „selbst“ und „ständig“.  Irgendwie hat immer alles mit meinem Beruf, nein mit meiner Berufung, zu tun. Ich kann das sowieso nicht abschalten. Es müssen auch manchmal Romane dran glauben, wenn ich irgendetwas, für mich bedeutendes gelesen habe. Seitenweise Anstreichungen würden jedem Buchhändler die Tränen in die Augen treiben. Aber so ist das eben, auf der Jagd nach den Worten…

Schließlich ist die Wortsucherin ein Teil der Worfinderin.

 

Die Location

Oft werde ich gefragt, wo ich denn überall hinkomme.

Das empfinde ich immer als einigermaßen witzige Frage, schließlich liegt doch gerade der Vorteil einer freien Trauung darin, dass man die Feier genau dort stattfinden lassen kann, wo man sie sich vorstellt.

Das bedeutet für mich, ich komme überall hin! Begrenzt bin ich nur in der Kilometerfreiheit. Das bedeutet konkret, dass ich ab 100km Fahrtweg eine Pauschale von 0,20 € für jeden darüber hinaus gefahrenen Kilometer berechne. Das bedeutet, bei weiteren 100 Kilometern einfach, liegt die Pauschale bei 20,00€

Ja und dann, dann komme ich überall hin! Auf den Ausflugsdampfer genauso wie in die Lieblingsgaststätte. Ich traue auf Burgen, in alten Rosinenbombern, auf, an oder in Badeseen, im Tiefschnee auf der Piste oder bei strahlendem Sonnenschein auf einem Gipfel.

Ich gebe es zu, ich freue mich immer, wenn die Location etwas besonderes ist.Das heißt aber nicht, dass die Trauung nur dann besonders ist! Was für wundervolle und anrührende Zeremonien habe ich mit tollen Paaren bereits in ihrem eigenen Garten gefeiert!

Wichtig ist, dass für Euch und Eure Trauung vor Ort alles stimmt. Ich brauche nicht viel für die Zeremonie. Ich habe mich und meine Stimme und wenn notwendig, einen Rucksack und ein mobiles Soundsystem. Damit komme ich notfalls auch einen Berg ohne Seilbahn hoch. Aber schaffen das auch Eure Gäste? Solche Fragen gilt es natürlich im Vofeld zu klären. Und dann… ja dann…

Werdet kreativ und heiratet an einem Ort, der Euch besonders wichtig ist!

Ich werde da sein! Eure Nue

Der Tag der Hochzeit

Hallo Ihr Lieben und Liebenden,

Heute möchte ich Euch gerne mitnehmen, wenn es heißt: Auf zur Hochzeit! Damit Ihr auch einen realistischen Eindruck davon bekommt, wie das so abläuft, habe ich am vergangenen Samstag meine Stationen ein bisschen mitgefilmt.

Beginnen wir ganz früh am Morgen, wenn ich noch müde, weil die Nacht recht kurz war, aus dem Bett gekrochen komme:

Anschließend mache ich mich fertig und fahre die Blumen holen. Das muss ich recht zeitnah vor der Feier machen, damit die Blumen nicht leiden.

Und dann geht es wirklich los!

Nach der Hochzeit ist vor der Hochzeit! Leider habe ich vor lauter heftigem mitfeiern dürfen, anschließend das Video vergessen, darum dürft Ihr weiter gespannt sein. Ich mache nächstes Mal eines.

Die Hochzeitsgäste auf der Regenbogenhochzeit waren übrigens, teilweise irritiert, teilweise sehr überrascht, aber zum größten Teil richtig begeistert von der Überraschung!

Dem lieben Paar möchte ich hiermit noch einmal meinen Dank ausprechen für die wunderschöne Feier und die wirklich einzigartige Planungsphase! Und auch dafür, dass wir uns weiterhin schreiben. Das ist wirklich großartig!

Ich hoffe Ihr habt Spaß an meinen unperfekten, aber von Herzen kommenden Videokommentaren. Schreibt mir ruhig in die Kommentare hier, ob ihr so etwas wieder sehen wollt!

Liebe sonnige Grüße, von Eurer Nue

 

Mama? Gehst du hochzeiten?

„Hochzeiten“ ist bei uns ein geflügelter Begriff geworden. Nicht als Substantiv, sondern als Verb. In meiner Familie gehe ich nicht zu einer freien Trauung, ich gehe „hochzeiten“. Entstanden ist dieses Wort, wie sollte es anders sein, aus einem Kindermund heraus. Meine Kinder haben im Grunde keine wirkliche Vorstellung davon, was ich arbeite. Sie stellen sich vor, dass ich Hochzeiten organisiere und sind ein bisschen eifersüchtig, dass ich an den Wochenenden feiern darf. (Worauf ich in den allermeisten Fällen zu ihren Gunsten tatsächlich aber verzichte)

Meiner Tochter, die jetzt bald 8 wird, gefällt es, mir im Bad zuzusehen, wenn ich meine Haare style und mich, mehr oder weniger, kunstfertig schminke und anschließend in meine, meist dem Anlass (farblich) angepassten Kleider steige. Für sie steht eins jetzt schon fest: Sie möchte auch mal was mit Hochzeiten machen und kann es kaum erwarten, mich irgendwann mal zu begleiten. Naja, mal sehen. Im Moment kommt das natürlich nicht in Frage!

Sagen wir, Mittags um 13 Uhr ist die Hochzeit. Ich rechne immer 1,5-2 Stunden Vorlauf, den ich vor Ort brauche. Einfach, weil es wirklich immer noch etwas zu tun gibt und wenn nicht, sitzt ich auch lieber noch ein wenig da und trinke einen Kaffee. Das bedeutet, die Fahrzeit eingerechnet, muss ich etwa um 10 Uhr los fahren.

In der Regel habe ich meine Hochzeitskiste bereits vorgepackt und ins Auto geladen.In dieser Kiste befindet sich alles Mögliche was ich brauche bzw. zum Glück meistens nicht brauche: Gaffaband, Nähzeug, ein Ersatzringkissen (außer ich packe es am Tag vorher aus und vergesse es… Sorry nochmal an N+S dafür!), Stifte, Kleber, Pflaster, Kopfwehtabletten… naja ihr wisst schon, im Grunde eine gut gefüllte Frauenhandtasche. Weiterhin befindet sich in der Kiste natürlich alles für die jeweilige Trauung: Deko, Material für die Zeremonie, die Rede in verschiedenen Ausführungen. Einfach alles das, was ich mit dem Paar besprochen habe und noch ein bisschen mehr.

Aber seht selbst:

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Auf bem Bild ist natürlich auch nicht alles drauf, nicht dass das nächste Paar hier rein schaut und etwas entdeckt, was es noch nicht sehen soll 😉  Außerdem reicht diese Kiste ja noch lange nicht aus. Wenn ich Material vorbereite, dann kann es schon mal dazu führen, dass ich den ganzen Kofferaum voll habe. Oder auch gerne mal das ganze Auto

Oft dürfen die Gäste ja aktiv an der Hochzeit teilnehmen. Das bedeutet, sie bekommen Material ausgehändigt, mit dem sie dann etwas für das Brautpaar machen dürfen. Der Klassiker dabei: Gute Wünsche auf einen Zettel/Stein/Holzklotz……… schreiben. Damit das Material während der Hochzeit nicht durch die Gegend purzelt und es auch nicht ausgeteilt werden muss, lege ich es im Vorfeld schon auf den Stühlen der Gäste bereit.

In etwa so sieht das dann aus.

Wenn alles im Auto ist, mache ich mir Musik an Zum Beispiel Cynthia Nickschas und dann geht es los!

Unglaublich wie viele Blogeinträge es gebraucht hat, bis ich mal zur eigentlichen Hochzeit komme, oder?

Davon dann aber nächstes Mal!

Sonnige Grüße

Nue

Blind Date mit einem Paar

Heute steht wieder ein Planungsgespräch an. Meine Kiste ist gepackt. Darin befinden sich Beispielmaterialien, die ich über die Zeit bei meinen Hochzeiten gesammelt habe. Reagenzgläser gefüllt mit buntem Sand, Karten, Kordeln, Bänder, Ringkissen…. Dingen zum anfassen und ausprobieren um eine Vorstellung davon zu bekommen, was man alles machen kann.

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Heute packe ich für ein Blind Date. Nun, bis zum Vorgespräch sind ja eigentlich alle meine Paare Blind Dates für mich. Da es sich heute aber nicht um ein solches handelt, und die Geschichte einigermaßen kurios ist, möchte ich sie erzählen:

Irgendwann Ende März, es war ein Sonntag, bekam ich am Abend einen Anruf: „Wir wollen heiraten, haben Sie an unserem Termin noch Zeit?“  Ich war schon ziemlich ausgebucht, aber witziger Weise hatte Stunden zuvor ein Paar für diesen Termin abgesagt, weil sie die Hochzeit verschieben mussten.  Ich hatte es mit einer wirklich EXTREM erleichterten Braut zu tun. Bei diesem Paar war im Vorfeld auch schon einiges nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatten. Dann waren alle meine KollegInnen schon ausgebucht und … ich hatte frei. Wir haben fast eine halbe Stunde lang am Telefon geredet und  bald war mir klar, dass wir uns gut verstehen. Normalerweise dauern diese Erstkontakte am Telefon nur sehr kurz: Begrüßung, Termin abklären, kurze Erläuterung wie der Ablauf ist, manchmal wird nach dem Preis gefragt, Terminfindung für ein Kennenlerngespräch… fertig.

Normalerweise. Diesmal wurde ich schlag weg, ohne Kennenlerngespräch gebucht! Der Vertrag war wenige Tage später in meinem Briefkasten. Das ist nun auch schon wieder drei Monate her. Heute werde ich das Paar also endlich kennenlernen! Ich bin sehr gespannt auf mein Blind Date!

NACHTRAG: Es war ein ganz wunderbares Treffen! Ich freue mich schon sehr auf meine Blind Date Hochzeit 😉

 

Whatsapp, die halbe Nacht

Hallo Ihr Lieben,

Bevor ich später weiter erzähle, wie so ganz allgemein ein Hochzeitstag abläuft, muss ich aus aktuellem Anlass, noch was dazwischen schieben.

Im letzten Beitrag ging es ja um „in Kontakt“ sein. Gestern war ein Tag, an dem ich, wenn ich es mal genauer betrachte, nichts anderes gemacht habe. Ich habe Emails geschrieben, telefoniert und gefühlt mindestens 30 sms und ungezählte Whatsapp Nachrichten geschrieben.

Da sind aufgescheuchte (lieb gemeint eine Grundnervosität ist völlig normal und trägt zur Vorfreude bei) Brautpaare, die auf den letzten Drücker noch wichtige Dinge mit mir besprechen wollen, Trauzeuginnen, die mir über ihre Beziehung zum Brautpaar erzählen, Musiker, die den Festablauf durchsprechen wollen…

Gestern fragte mich ein Trauzeuge, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache. Das fragen sich viele und keiner kann sich das so richtig vorstellen. Ich bin viel unterwegs, wenn ich nicht gerade am Rechner sitze und schreibe. Ich habe Kinder und freue mich, dass ich mir meine Zeit selbst einteilen kann. Dank mobiler Endgeräte ist es mir auch möglich mit meinen Kindern im Freibad oder auf dem Abenteuerspielplatz zu sitzen und tatsächlich zu arbeiten.

Gestern war so ein Tag, an dem ich heilfroh über Handys und mobiles Internet war. Ununterbrochen kamen Nachrichten rein. Während ich mit dem einen Kind beim Zahnartz warte: nebenher arbeiten. Während ich das andere Kind zu Ergotherapie fahre: nebenher telefonieren, im Wartezimmer schnell noch eine Email schreiben und auf dem Rückweg im Drogeriemarkt noch Schleifenbänder kaufen.

Nachts schalte ich mein Handy aus und es sind auch nicht alle Tage so. Wenn das jetzt ein bisschen gestresst klingt… JEIN. Ich liebe es mich direkt mit meinen Paaren und deren Freunden und Familienmitgliedern auszutauschen. Seit ich mich entschieden habe, whatsapp beruflich zu nutzen, freue ich mich immer über den direkten Kontakt und postwendende Antworten. Das geht schneller und auch mal nebenbei. Anders als bei einer Email, bei der man oft denkt: „Die beantworte ich nachher in Ruhe…“ (Hat beides Vorteile, die Email wird aber dann gerne vergessen 😉 )

Mir gibt es das Gefühl, Anteil zu haben. Nicht nur außen zu stehen und einen Blick durchs Fenster wagen zu dürfen. Und das macht es besonders.

In Kontakt sein

Jetzt sitze ich da… an meinem Schreibtisch. Um mich herrum liegen viele Zettel, Fragebögen, ausgedruckte Emails, Bücher, natürlich auch eine Tasse Kaffe, das Telefon und mein Handy.

Ich kann Euch ja mal zeigen, wie das gerade in diesem Moment, ganz ungeschminkt bei mir aussieht:wp-1466059290781.jpeg

Mein Büro ist klein und leider platzt es immer aus allen Nähten, weil ich mein gesamtes Material hier lagern muss. Über eine Saison kommt da ganz schön was zusammen. Im Winter verschwindet das alles dann im Keller. Rechts der Korb ist beispielsweise schon für die nächste Hochzeit gepackt.

Nach den vielen Gesprächen, beginnt jetzt die Zeit, in der ich mich ein wenig einigle. Denn jetzt gilt es die Hochzeitsrede zu schreiben.  Meine Paare hören in der Zeit wenig von mir, aber ich versuche immer in Kontakt zu bleiben. In der letzten Zeit hat sich Whatsapp eingebürgert. Über den Messenger kann ich unkompliziert nachfragen: Ist alles ok bei Euch? Geht es Euch gut? Könnt ihr mal die Treuzeugin/den Trauzeugen anstuppsen, die/der antwortet mir nicht… und so weiter.

Das Schreiben ansich ist ein Prozess. Oft kommt es vor, dass ich schon während des Gesprächs eine Idee habe. Wichtig ist immer ein guter Aufhänger, etwas, dass alle Gäste (und Euch!) aufhorchen lässt: Worum geht es hier? Ahhh.. interessant.

Häufig ist der Aufhänger ein besonderes Lebensmotto, eine gemeinsame Leidenschaft des Brautpaares, der besondere Umstand unter dem Ihr Euch kennengelernt habt, ein witziges Ereignis…

Über die Zeit habe ich gelernt, dass sich wirklich ALLES mit dem Thema Hochzeit verbinden lässt. Ich habe Reden für Informatiker geschrieben, für Golfspieler, für Automechaniker, Mittelalterfans, Skifahrer…

Dabei kommt es nicht darauf an, dass ich viel vom jeweiligen Thema verstehe, das kann ich alles nachlesen und im Zweifelsfall nachfragen. Es kommt darauf an, dass ich etwas transportiere, nämlich Eure ganz persönliche Geschichte, Eure Art, Eure Liebe, Eure Besonderheit. Ich gebe zu, manchmal fällt mir das leichter als in anderen Fällen. Manche Reden können auch kleine Schlachtfelder sein, auf denen ich meine persönlichen Widerstände überwinden muss. Es gab auch Reden, die mir alles abverlangt haben, weil das Paar beispielsweise von einem schlimmen Schicksalsschlag in den nächsten gerutscht ist und ich oft nur weinen wollte und nicht wusste, wie sie das alles überhaupt schaffen und gleichzeitg so unglaublich fasziniert davon war, dass sie immer weiter machen und Ihre Liebe ihnen Kraft gibt nicht aufzugeben…

Egal was kommt, für mich ist es die Herausforderung, die Challenge, die zählt. Ich will Eure Geschichte erzählen. Bestmöglich. Das größte Geschenk für mich ist, wenn  die Gäste und das Paar während der Rede lachen, mit mir in Interaktion gehen (nicht nur steif zuhören) und weinen. Dann weiß ich: Ich habe alles richtig gemacht!

Gerade weil so eine Rede ein Prozess ist, kann ich nicht sagen, wie lange ich dafür brauche. Manche gehen schnell (ca. 10- 15 Stunden) andere dauern lange (Wochen!). Manche sind sofort perfekt so wie sie sind, an anderen schleife ich noch eine ganze Weile. Es kann vorkommen, dass ich Nachts um drei aufwache und mich hinsetze, weil ich eine Idee habe, die ich unbedingt aufschreiben muss.

Vielleicht könnt Ihr dadurch verstehen, dass ich die Reden, wenn überhaupt, erst recht knapp vor der Trauung rausgeben kann. Ich werde auch sehr selten danach gefragt, ob das Paar die Rede vorher lesen darf. Selbstverständlich dürft Ihr das und selbstveständlich würde ich auch noch einmal Änderunge vornehmen.

Was ich in so einem Fall nur zu bedenken gebe: Die geschriebene Rede kann NIE das Gefühl wiedergeben, dass ich mit meinem Vortrag transportieren werde. Gesprochenes Wort wirkt ganz anders und manche Stellen werden vielleicht auch erst durch meinen Tonfall, meine Mimik und Gestik oder einen eingeschobenen Scherz, so  wie sie von mir gedacht sind.

Eine Alternative ist es, den Text einer verrauten Person zuzusenden, die mir ihre Meinung dazu rückmeldet.

Aber normalerweise lassen sich meine Paare überraschen und bisher hat noch jede Rede gefallen.

Und weil ich jetzt auch gleich wieder eine Rede schreiben darf, eigentlich schon mitten drin bin, sage ich jetzt „Aufwiederlesen“

Eure Nue

 

 

Vom Chaos zur Zeremonie

Wie kommen wir nun von diesem Planungsgespräch zur fertigen Hochzeitszeremonie?

Ich sage es Euch gleich: Das ist noch ein langer Weg –  vor allem für mich! Während des Planungstreffens habe ich ganz viel mitgeschrieben. Zu jedem einzelnen Punkt der Trauzeremonie habe ich mir Notizen gemacht: Wer steht wo? Was machen wir an der Stelle? Wie genau wollt ihr die Ringe tauschen? Wer kommt eigentlich?

Das sieht dann ungefähr so aus:

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Manchmal sogar noch chaotischer, je nachdem wie wild wir planen.

Mir würde das als Arbeitsgrundlage schon reichen, aber ich will ganz sicher gehen, ob ich meine Paare wirklich richtig verstanden habe. Denn bei so viel reden, zuhören und nachfragen, kann auch ich mal etwas durcheinander bringen. Darum ordne ich zu Hause dieses Zettelchaos in ein fein säuerliches Protokoll. In diesem Liste ich auch die ganzen Notizen auf, die ich mir über Euch gemacht habe. Zitate, Hinweise, einfach alles was mir in dem Moment wichtig erscheint. Aber auch die komplette Zeremonie wird in einem strukturierten Ablauf aufgelistet.

Immer wieder gibt es Paare, die mir sagen: Das will ich aber auf keinen Fall in der Rede haben!  Gut so! Das ist Euer gutes Recht! Manchmal ist es für mich wichtig, von Vorbeziehungen, Scheidungen, unehelichen Kindern etc. zu wissen, damit ich Eure Paarbeziehung und Eure Entwicklung besser verstehen kann. Selbst, wenn Ihr es nicht aussprecht: Sowas hat natürlich nichts in einer Hochzeitsrede verloren!  Außer natürlich Ihr wünscht es Euch!

Den fertigen Ablauf sende ich Euch dann zu. Ihr schaut Ihn durch, korrigiert ihn im Zweifelsfall und schickt ihn mir zurück. Ich korrigiere den Ablauf so lange, bis wirklich jedes Detail stimmt und ihr Euch in dieser einen Trauung wiederfindet!

Die letzte Fassung dürft Ihr mir dann unterschreiben, als Zeichen dafür, dass ich jetzt wirklich loslegen kann….

Davon dann aber später mehr!